Woran erkennt man einen echten Superhelden oder Superschurken? An seinen Superkräften? An seinem Kostüm? Mitnichten... am einfachsten erkennt man es daran, dass an der Supermarktkasse ein Typ in seinen Klamotten sitzt!
Der Spielhintergrund...
Genau um diese manchmal bierbäuchigen und manchmal auch mit der Schulterbreite eines Toasters ausgestatteten, selbsternannten Stellvertreter, die in Amerika gemeinhin als "Impostors" (Hochstapler) bezeichnet werden, geht es in dem Spiel Gotham City Impostors.
Grundlage für die Spielidee war die vierteilige Comic-Serie namens "Gotham City Impostors DETECTIVE COMICS" von David Hine, in der sich die Bürger von Gotham City nach einem Drogenangriff des Jokers in zwei Gruppen aufteilen. Die so genannten "Guarding Bats" sind eine Gruppe, die der Droge nicht verfiel und die in der Stadt wieder Recht und Ordnung herstellen möchte. Bei der Wahl der Mittel ist man dabei aber alles andere als zimperlich und teilt gegen die der Joker-Droge verfallene Gruppe "Jokerz", deren einziges Ziel Chaos und Zerstörung ist, kräftig aus. Auch diese lässt sich nicht lumpen und die Gewaltorgie verwüstet (wieder einmal) Gotham City.
In der Comic-Vorlage rettet natürlich Batman den Tag und führt die Menschenkinder zurück ins flauschige Regenbogenponyland. Genug davon! Es ist Krieg! Und ihr steckt zusammen mit euren Freunden mittendrin. Welche Seite ihr wählt bleibt euch überlassen und "mit euren Freunden" sagt schon alles. Gotham City Imposters ist ein reines Online- / Multiplayerspiel. Es gibt keine Solo-Kampagnen und es gibt keine computergesteuerten Gegenspieler.
Auf verschiedenen Karten, wie heruntergekommenen und graffitibeschmierten Hinterhöfen oder dreckigen Lagerhallen können sich bis zu 12 Spieler in den zur Auswahl stehenden Spielmodi Kugeln, Pfeile und allerlei andere Gerätschaften um die Ohren fliegen lassen.
Das Spiel ist erhältlich für den PC, die Xbox 360 und die Playstation 3. Um einen ersten Eindruck zu gewinnen haben wir uns die für €14,99 erhältliche PC-Grundversion auf dem Games for Windows LIVE-Marktplatz heruntergeladen und installiert. Jetzt steht einem heißen Bürogefecht nur noch die Wartezeit beim herunterladen im Weg.
Download-Content soweit das Auge reicht...
Die erste Überraschung ist die schiere Menge an angekündigtem oder schon verfügbaren und ebenfalls herunterladbarem Download-Content (kurz DLC), den man nach Lust und Laune zu dem günstigen Grundspiel hinzufügen darf. Dabei handelt es sich zum Beispiel um neue Kombatanten, weitere Spielkarten, Maskottchen und ausgefallene Kleidungsstücke oder exklusiv für PC-Spieler: Erfahrungspunkte-Boosts für einzelne Spieler oder ganze Gruppen. Die Preise bewegen sich dabei im erträglichen Bereich und liegen am PC bei €2,99 bis €9,99. Grundsätzlich bleibt es wie immer dem Spieler selbst überlassen, ob er sein Spiel pimpen möchte oder nicht.
Die wilde Hatz beginnt...
Wer schon Erfahrungen mit Spielen wie Half Life²: Deathmatch oder Team Fortress 2 gesammelt hat, wird sich wie zu Hause fühlen. Zwar soll das Spiel "klassenfrei" sein aber der gewählte Körper hat je nach gewählter Größe und Form unterschiedliche Eigenschaften. So ist ein schlanker Charakter natürlich schneller, liegt dafür aber schon nach dem ersten dicken Punch mit verdrehten Gliedmaßen in der Ecke. Wählt man einen wuchtigen Body-Typ kann man einiges wegstecken, bewegt sich aber wie Rainer Calmund beim Sprint zum Frühstücks-Buffet. Mit dem im Spiel integrierten XP-System, einer ingame-Währung und LevelUps lässt sich der Charakter dank erwerbbarer Ausrüstungsgegenstände weiter individualisieren und zum Beispiel mit Rollschuhen oder Schwebeflügeln ausstatten.
Vor dem Start im Multiplayer basteln alle Mitglieder der 4PL-Testrunde ersteinmal begeistert im Charakter-Editor herum, der dem Spieler viele Freiheiten lässt. Selbst im Grundspiel macht das schon eine Menge Spaß und die gelungene Comic-Grafik der Figuren lässt einen beinahe den eigentlichen Spielstart vergessen. Im Spielmodus dürft ihr zwei Waffen, ein Gadget und ein Support-Item mitführen, was unweigerlich zu einem gewissen Frau-vor-dem-Kleiderschrank-Gefühl führt.
Nachdem das virtuelle "Haaremachen" beendet ist, entscheidet sich die Mehrheit für den an den klassischen Domination-Modus angelehnten Matchmodus namens "Fumination". Dabei müssen drei so genannte Gasblasters eingenommen und natürlich auch gehalten werden. Das Ziel ist es, mindestens zwei dieser Gasblasters zu halten bis das eigene Punktekonto gefüllt ist. Das ganze findet in einer Art Tauziehen statt. beide Teams starten mit 50 Punkten und wer zuerst die gesamten 100 Punkte auf dem eigenen Konto sammelt ist der Sieger. Welcher Gasblaster gerade von welchem Team besetzt ist, seht ihr an den Farben der ausgestoßenen
Gaswolken. Sind diese grün, bedeutet das, dass der entsprechende Gasblaster gerade in der Hand eures Teams ist. Ändert sich die Farbe in rot, hat das gegnerische Team den Gasblaster erobert.
Als Engine und quai Motor des Spiels wurde die bekannte Fear2-Engine verbaut. Das bedeutet zum einen zwar einen schnellen und von FPS-Einbrüchen weitgehend ungetrübten Spielgenuß, zum anderen aber, dass die Spielegrafik nicht dem aktuellen State of the Art entspricht und trotz der schreiend bunten Comicgrafik manchmal etwas angestaubt wirkt. Der Spielablauf gestaltet sich schnell und hektisch. Immer wieder sieht man sich versucht in die Maus zu beissen, weil man nicht gemerkt hat aus welcher Ecke ein Brett kassiert wurde. Es gilt der Grundsatz, wer den Gegner zuerst sieht und trifft, macht den Frag. Nach einem Treffer verletzt zu flüchten oder seinerseits den Feind in die ewigen Jagdgründe zu schicken, ist selten möglich und dem Einschlag folgt in 90% der Fälle die unvermeidliche virtuelle Wiedergeburt am Spawnpunkt. Mit herumstehenden Rollschuhrampen, Trampolinen oder mitgeführten Hakenkanonen lassen sich die Karten auch in der Vertikalen nutzen. Wohl dem der dann das passende Scharfschützengewehr in seinem Inventar hat, denn mit den normalen Waffen trifft man ab einer gewissen Entfernung nicht einmal das sprichwörtliche Scheunentor.
Herrliche Erlebnisse haben uns vor allem die vielen verfügbaren Waffen und Fallen beschert. Wer seinen Gegner in eine Bärenfalle laufen lassen hat, sitzt unweigerlich grinsend vor dem Monitor und vergisst beinahe das Schiessen. Gerne lernt man da neue Posen für die Kill-Cam, mit denen die Verhöhnung des Gegners noch mehr Spaß macht. Der nächste von uns gespielte Modus "Psych Warfare" ist eine Art Capture The Flag - Modus, in dem ihr zusammen mit eurem Team Batterien für die eigene Gehirnwäsche-Machine sammeln müsst. Ist diese endlich eingeschaltet sind die Gegner wehrlos und müssen der bleihaltigen Erlösung ins Auge blicken. Hand anlegen sollten die Entwickler auf jeden Fall noch einmal an dem Balancing der verschiedenen Waffen. Der Raketenwerfer ist zum Beispiel mächtig overpowered und gerade im Fumation-Modus eine zu starke Waffe.
Das Fazit...
Bereits mit No One Lives Forever hat das Entwicklerstudio Monolith bewiesen, dass Ego-Shooter mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor kein Ding der Unmöglichkeit sind. Auch das neue Gotham City Imposters beschert uns die wilden und brutalen Kämpfe mit einem gewissen Augenzwinkern, was uns ein ums andere mal schmunzelnd vor dem Monitor sitzen liess. Wer auf der Suche nach einem günstigen Online-Shooter ist und auch nichts gegen bisweilen hektische und schnelle Gefechte hat, ist mit dem Spiel bestens bedient. Die Idee sich aus dem Marvel-Universum zu bedienen und anstatt dem gefühlt zehntausendsten Kriegs-Shooter irrwitzige Aushilfs-Batmans und Freizeit-Joker gegeneinander kämpfen zu lassen macht Laune und gerade weil das Spiel sich selbst nicht so furchtbar ernst nimmt, lädt es und immer wieder zum schnellen Spielgenuß ohne Reue und Gewissensbisse ein. Sehr gelungen sind die vielen unterschiedlichen Waffen und Gadgets, die eine Individualisierung des eigenen Alter Egos zur Hauptbeschäftigung werden lassen. Ob man die abgedrehte Grafik mag, bleibt jedem selbst überlassen. Schlussendlich ist es in unseren Augen gerade das Comic-Design, untermalt mit stimmigen Soundeinlagen, welches Gotham City Imposters aus der Masse der FPS-Shooter heraushebt.
„Eigentlich eine interessante Alternative zu Battlefield oder Modern Warfare - wenn nur mehr Karten und Modi zur Verfügung stünden. Das Matchmaking hat ebenfalls Luft nach oben.”
„Die Action ist schnell und angenehm hektisch, die Personalisierung ist umfangreich. Mit fünf Karten und drei Spielmodi ist der Umfang aber knapp bemessen, während das Matchmaking sich immer wieder Aussetzer leistet.”
„Prinzipiell gelungene Mehrspieler-Action mit umfangreicher Personalisierung und ein paar netten Ideen, aber geringem Kernumfang und unzureichendem Matchmaking.”
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